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7. 24 Stundenlauf Reken 08./09.09.2017

Dieses Thema im Forum "Laufberichte" wurde erstellt von Finny, 11 September 2017.

  1. Finny

    Finny Well-Known Member

    Liebe Mitstreiter/-innen,

    die meisten von Euch wissen es schon, für den Rest/die Neueren nochmal kurz: Reken ist Finnys Laufmekka. Hier hat sie zum ersten Mal die Welt der Ultraläufer kennenlernen dürfen und das als sie selbst noch bescheidene Erstmarathoni war (im September 2014).

    Und nachdem ich in den letzten Jahren selbst ab und an mal über die M-Distanz gegangen bin war klar: laufe ich je einmal 100 km, dann in Reken.

    Heimlich still und leise war mir schon einige Monate klar, dass dies wohl dieses Jahr passieren könnte, so denn alles gut liefe. Nun sei jedoch auch dazu gesagt, dass für mich subjektiv, eine Laufdistanz von 100 km binnen 24 Stunden zu bewältigen nicht meinem klassischen Bild des „100km-Läufers“ entspricht. Ich würde mich also ganz klar auch heute noch nur mit Einschränkung als 100km-Läuferin bezeichnen.

    Aber nun zurück nach Reken:

    Mein grober Plan sah vor mit dem WoMo anzureisen und am Freitag zum Startschuss um 16 Uhr vor Ort zu sein. Dann wollte ich bis Mitternacht auf der Strecke bleiben und so es denn ginge in dieser Zeit zwischen 65 und 70 km sammeln. Die Nacht über wollte ich aber etwas ruhen und dann die restlichen km bis zur 100er Marke am nächsten Tag notfalls auch spazierender Weise noch zusammen puzzeln. Nachts laufen kenne ich kaum und letztes Jahr kam es mir dort auch etwas befremdlich vor, daher schloss ich das komplette „durchlaufen“ von Vorneherein aus. Auch wollte ich nicht unbedingt tatsächlich von „ab und an mal rund 50 (flache)“ auf „direkt 100 (profilierte)“ km Durchlaufen steigern, da mein eigentliches Jahreshauptziel (der Röntgenlauf) ja auch noch anstehen würde. Und wer mich kennt der weiß, dass ich solcherlei Vorhaben gern defensiver angehe.

    Da ich mit unserem WoMo im „Normalfall“ hätte auf einer Wiese/Feldrand parken müssen fuhr ich sehr frühzeitig los, um evt. doch noch eine Verhandlung für einen etwas befestigteren Stellplatz zu ergattern. Aufgrund der extremen Regenfälle der letzten und gleichlautender Vorhersage für die nächsten Tage hatte sich Marcel nämlich am Donnerstag dazu entschlossen nicht mit nach Reken zu fahren und alleine sah ich zu viel Gefahr, mich festzufahren oder auch so nicht gescheit auf/vom Platz zu kommen. Gesagt getan stand ich um viertel vor drei auf dem Gevelsberg und konnte ganz auf „dummes kleines Mausi“- machend doch tatsächlich den Veranstalter überreden, hinter dem Vereinsheim am Sportplatz zu stehen, vorausgesetzt ich reise dort nicht vor Sonntagmittag ab (die Zufahrt führte über die Laufstrecke). Soweit ja kein Problem ;-)

    Die Anmeldung war noch nicht besetzt und so hielt ich mit der Hand voll schon anwesender mir größtenteils bekannter Läufer aus weiterer Entfernung kleine Schwätzchen, ehe wir unsere Startnummern in Empfang nehmen durften. Mit der Nummer bewaffnet zog ich mich dann aber – nicht zuletzt wegen anhaltenden Regens – schnell noch ein Weilchen in Wohni zurück, nachdem ich dessen technische Aufgaben und die Einrichtung meines Schlafplatzes (unten ;-) ) erledigt hatte. Zu guter Letzt gab es noch ein Heißgetränk und schwupp die wupp war es 15:50 Uhr und höchste Zeit zur Startlinie zu gehen (etwa 100 m von meinem Stellplatz).

    Regen- und sturmfeste Finny – hässlich gekleidet, gut gerüstet für alle Wetterlagen

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    Veranstalter Rainer sprach kurz die üblichen einleitenden Worte, zu denen er diesmal noch ein kleines besonderes i-Tüpfelchen hinzufügte, denn der weltführende Rückwärtsläufer Markus Jürgens war hier erstmals auch am Start. Jeder der von ihm gelaufene km würde von einem Sponsor mit 50,- € unterstützt werden! Rainer hatte sich überlegt, dass wenn wir alle die ersten 100m rückwärts starten würden, wir auf diese Weise wohl den Weltrekord in einem Retrostart erreichen könnten.

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    Dem spaßigen Vorschlag folgte die Horde selbstredend. Angenehmer Nebeneffekt: überhastete Schnellstartmanöver waren wohl von vorneherein ausgeschlossen J

    Wie so oft habe auch ich mir natürlich vorgenommen nicht zu schnell zu starten (räusper) und, dass ich die in Reken gefürchteten Anstiege im Zweifel auch von Anfang an gehen würde. Dass letzteres genau nicht passieren würde, war ja eigentlich klar ;-)
     
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  2. Finny

    Finny Well-Known Member

    Die ersten beiden Runden bestritt ich gemeinsam mit einem sehr leistungsstarken Ultraläufer, den ich erstmals im letzten Jahr hier traf. Ralf schloss im vergangenen Jahr trotz Schlafphasen in der Nacht mit über 160 km ab und läuft den Marathon stetig unter 3 Stunden. Dass er prinzipiell schneller war als ich muss ich kaum dazu sagen. Da mir inzwischen schon reichlich warm war und ich meine Jacke abwerfen wollte trennten sich unsere Wege schon früh. Der Gute wollte zwar auf mich warten, doch das lehnte ich ab. Auch wenn ich kaum Zeit verlor, erschien mir das besser so, denn für mich wäre das Tempo dauerhaft zu schnell gewesen.

    Ich lief also zunächst dann einige Zeit alleine und pendelte mich so bei einer durchschnittlichen Pace von rund 6:15/6:20 ein, was mir ok erschien, zumal ich zu dieser Zeit ja die Anstiege auch durch lief.

    Ich kannte hier ja jeden Meter und wusste genau, was zu tun ist. Das Einzige, was mir neu war: es regnete in einem fort bei wolkenverhangenem Himmel und mittlerem Wind. Und es gab von vorneherein viele nachhaltige teils bereits schlammige Pfützen, die wir zu umschiffen versuchten.

    Nach Runde drei traf ich am Rundenbogen Barfuß-Michael. Über unser Wiedersehen freute ich mich sehr und so nahmen wir direkt die nächste Runde gemeinsam in Angriff. Auch er war jedoch recht flott (seine erste Runde), so dass ich abermals nicht allzu unglücklich war, dass er nach einer weiteren Runde erstmals verschnaufen wollte. Irgendwie war mir auch nicht so sehr nach viel Gerede. Ich lief also gern einfach mal alleine weiter ;-)

    Inzwischen hatte ich mich auch damit abgefunden, dass es regnet – ich versuchte es einfach auszublenden, so gut es geht. Mit nur noch einem Langarmshirt und Unterhemd drunter gelang mir das soweit einigermaßen, wie ich es mir auch im Vorfeld überlegt hatte: ich wollte alle 20-25 km einen kurzen Stopp am WoMo einlegen um zumindest die Oberkörperschicht zu wechseln. Aus der Planung wurden dann 10 Runden – also 24 km.

    So ganz präzise erinnere ich mich nun nicht mehr an alles. Wie das bei einem Rundenlauf so ist, trifft man auf allerlei Hand Leutchen und hält so hier und da mal ein Schwätzchen.

    Nach den ersten 24 km war ich jedenfalls froh, in trockene Oberschicht zu kommen, denn so langsam klebte einfach alles an mir. Da die Füße jedoch dank sorgsamer Schritte vorbei an den schlimmsten Pfützchen bisher „nur“ nass aber nicht im totalen Saft stehend waren, beschloss ich hüftabwärts nichts zu wechseln. So konnte ich auch das vollkommene Einsauen unseres Wohnmobils noch ein wenig aufhalten…

    Ich weiß so recht nicht mehr, wann ich auf Peter traf, tut auch nichts zur Sache, jedenfalls lernte ich ihn kennen, als ich bis zur Ultramarke noch ein paar Runden zu laufen hatte. Ein netter Zeitgenosse, der zu dieser Zeit mit Ralf (s. o.) unterwegs war. Wir liefen wohl so ein, zwei Runden zu dritt, doch dann kam ein Verpflegungsmoment, der nur uns beide betraf und an dem sich Ralf dann absetzte.

    Vieles gab es nun Interessantes zu hören von einem, der gern und viele profilierte Ultras läuft. Auch stellten wir fest, dass wir einen gemeinsamen Bekannten aus seiner Heimat haben und so verging die Zeit sehr unterhaltsam und kurzweilig. Dass wir einen sehr ähnlichen Takt liefen kam uns beiden ausgesprochen gelegen.

    Gerade hatte ich berichtet, dass Marcel wohl an diesem Tag nicht mehr nach Reken käme und mich dennoch immer so eifrig unterstützte, als wir Peters Marathonrunde und meine Runde 20 erreichten (48 km). Und da sah ich Marcel an der Zeitmessung J Er hatte sich entschlossen, doch zumindest mal kurz nach mir zu sehen, worüber ich mich selbstredend sehr freute.

    Ich überredete ihn dann trotz seiner eigentlich sehr stark ausgeprägten Aversion, sich bei dem Wetter noch länger draußen aufzuhalten, zu einer gemeinsamen Spazierrunde – dann wären bei mir ja 50,4 km erreicht und ich sei bereit zu einer echten Essenpause.

    Wie wir also so durch den Regen marschierten (und mir doch zusehends ungemütlicher und kälter wurde, weil wir natürlich langsam waren) habe ich dann – charmant wie ich bin – meinen lieben Mann dazu überredet, dass er doch bitte gleich für mich meine Nudeln kochen solle und einen Salat dazu vorbereiten, währenddessen ich doch hervorragend mal eben noch auf 60 km hin weiterlaufen könne ;-) Da er mir diesen Wunsch nicht ausschlug eilte ich also nach einem kurzen Boxenstopp umgehend wieder auf die Strecke und riss die nächsten 4 Runden ab.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11 September 2017
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  3. Finny

    Finny Well-Known Member

    Glücklich nach Etappenziel im WoMo:

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    Mit 60 km auf der Uhr ließ es sich um halb Mitternacht doch dann auch ruhigen Mutes mal endlich was futtern – wurde nach dem Frühstück und nur einem Pappmüsliriegel dann auch so langsam mal Zeit…

    Lecker schmecker

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    Obwohl ich hungrig wie eine Bärin schien schaffte ich meine Portion dann doch nicht ganz und stand auch gegen Mitternacht wieder im Regen. Diesmal jedoch mit dem Vorsatz, nun nur noch bis zur 70er Marke zu marschieren.

    Die Strecke hatte sich deutlich geleert, wer nun bei und nach der Wetterlage der inzwischen acht Stunden immer noch unterwegs war hatte Großes vor. Die Hand voll Verrückter waren selbstredend auch gut verstreut, so dass wir nur noch selten aufeinander trafen. Da war es schon ein nettes Glück, dass ich zwei der fünf Runden noch mit einem Bekannten zusammen unterwegs war, der zu diesem Zeitpunkt sein ursprüngliches Vorhaben (160km) aufgab. Zu schlimm war ab Mitternacht der Regen und Sturm geworden, als dass auch er ohne Pause oder häufigeres Umziehen guten Gewissens hätte durchlaufen können. So marschierten wir zu dritt (ein weiterer junger, noch recht unerfahrener Läufer war auch noch dabei) noch einige km gegenseitig Mut machend, schimpfend, jammernd, scherzend und über Vergangenes berichtend durch die Nacht.

    Dieses Mal hatte die Orga zusätzlich zu ein paar Scheinwerfern auch einige Baustellenlichter aufgestellt, dennoch war es an einigen Stellen am Waldrand ganz gut, dass wir mit (Stirn-) lampen gerüstet waren, da die Wegränder so abschüssig und matschig waren. Die Strecke ist zwar komplett asphaltiert, doch halt keine echte Straße, so dass es überall an regulärer Beleuchtung fehlt.

    Nach 72 km verabschiedete ich mich um 1:50 Uhr dann und auch die beiden Herren an meiner Seite wollten sich zumindest trocken legen oder gar mal pausieren. Zudem nahte auch der von einer Walkerin angekündigte nächtliche Sektempfang um 3 Uhr, zu dem die beiden wohl frisch gewaschen und raus geputzt erscheinen wollten ;-) Ich für meinen Teil blieb diesem Exklusivmoment der Veranstaltung fern und zog ein wenig Nachtruhe vor – wobei ich vielleicht nach einem Sekt besser hätte schlafen können, trinke ich doch sonst nie Alkohol.

    Es reicht für heute:

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    Um 2:15 Uhr sah ich das letzte Mal auf die Uhr, nachdem ich gefühlte 200 Mal die Gas- und Wasserhähne des Wohnmobils geprüft hatte… Für den aufmerksamen Leser: ja, ich legte mich tatsächlich stinkend und miefend so wie ich war ins Bett, nachdem ich es gerade noch geschafft hatte mir die Zähne zu putzen und meine miefenden Schuhe fernab der Schlafstatt zu deponieren. Hatte doch was Gutes, dass Marcel sich entschlossen hatte, nicht die Nacht mit mir zu verbringen ;-)

    Ich hatte in den letzten Runden doch schon all meine Schwachstellen zu spüren bekommen und so war ich wirklich froh, nun mal in die Waagerechte zu gehen. Ob es anders/besser gewesen wäre, wenn ich einfach durchgelaufen wäre – wer weiß das schon?

    Den Wecker hatte ich mir auf 8 Uhr gestellt – ist ja schließlich das letzte Urlaubswochenende. Um genau zu sein, war das der letztmögliche Zeitpunkt, der es mir noch ermöglichen würde, frisch geduscht im Zweifel nur noch im Gehschritt die noch fehlenden 30 km zum T-Shirt bis 16 Uhr zu schaffen. Ich rechnete nicht ansatzweise damit, bis 8 Uhr zu schlafen.

    Da es weiterhin die ganze Nacht regnete und stürmte und nicht nur dies mir keine Ruhe ließ, stand ich um kurz vor sechs endgültig wieder auf. Nach einer ausgiebigen heißen Dusche und einem eiligen Kaffee, einem Blick aufs Handy (eine liebe Bekannte hatte ihre Ankunft für 6 Uhr angekündigt) und einem tiefen Durchatmen verließ ich das kuschelige mobile Heim. Diesmal gerüstet mit einem scheußlichen eigenes für diesen Zweck eingeweihten neuem Plastik-Regenponcho.
     
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  4. Finny

    Finny Well-Known Member

    Es ist nass und ungemütlich

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    Erst einmal wollte ich mich ein, zwei Runden einmarschieren und meine Form prüfen. Ich hatte ja keine Ahnung, welche Drohungen mich aus dem Untergeschoß ereilen würden. Doch schon zu Beginn der zweiten Runde wurde mir klar, dass ich wohl kaum noch lange nicht würde laufen können. Es war einsam, nass und kalt, die Klamotten fühlten sich lästig an und ich wollte fertig werden, vorwärts kommen, was erleben, Läuferin sein!

    Ein Segen, dass ich dann bald schon auf Nicole und Norbert traf. Die beiden hatten wegen des Wetters beschlossen, nur Samstag für einen frühen Ultra anzureisen. Ich nahm dankbar deren Spur auf und begann mit ihnen zu laufen. Am Rundenende dann flux den Poncho abgeworfen und von nun an ging es auch für mich stetig wieder im Laufschritt weiter. Aus Vernunft blieb ich zunächst bei den beiden, was bedeutete, dass wir zwei schlimmsten Steigungen zügig gingen. Norbert konnte mir und Nicole bald nicht mehr folgen, holte uns auch erst sehr spät wieder ein, ungefähr als wir allen Tratsch und Klatsch der letzten Wochen durch hatten ;-)

    Mit den beiden war ich dann so bis halb neun unterwegs. Doch dann wurden sie mir zu langsam und ich musste einfach weiterziehen. Ich wollte nun gern meinen Takt beibehalten und ich war auch ein bisschen dankbar für etwas mehr Ruhe. Das ging mir immer mal wieder so auf meiner Reken-Reise. Aber das kenne ich ja auch von anderen subjektiv eindrucksvollen Lauftagen.

    Ich spulte also so hochmotiviert meine Runden ab und freute mich irrsinnig, dass ich wohl tatsächlich bis zur 100 würde laufen können. Das lustige Rechenspiel, wann es denn wohl so weit sein würde, spielte ich natürlich auch und dann malte ich mir noch aus, wie schön es wäre, das begehrte T-Shirt in Empfang zu nehmen.

    Und dann kam leider alles etwas anders: als ich um 10:45 Uhr etwa die 100,8 km voll hatte, war niemand an der Zeitmessung und der etwas schroffe Moderator warf auf meine Nachfrage, wo ich denn mein T-Shirt bekäme, nur in den Raum „Rainer ist grad nicht hier, jetzt kommen sowieso gerade so viele 100er rein, dass ich schon überlegt hab, dass wir die einfach alle zusammen zum Schluss mit den T-Shirts versorgen können, du bist ja dann bestimmt noch da“. Das war ehrlich gesagt für mich ein ziemlich blöder und unschöner Moment, denn ich hatte mich wirklich ganz dolle darauf gefreut, das war so ein Meilenstein. Nicht zuletzt, weil ich mir die 100 ja entgegen meiner Erwartung doch nicht einfach nur so zusammengepuzzelt hatte (womit ich die Leistung eines Walkers oder Gehers o. a. hier unter keinen Umständen schmälern möchte!!!). Ich fand es einfach schade und war traurig, dass nun offensichtlich die bisher mir bekannte kurze persönliche Übergabe des T-Shirts durch Rainer mit dem kleinen Tusch aus dem Lautsprecher ausbleiben sollte.

    Nach einer Tasse Kaffee und zwei leckeren Waffeln (es war nun wirklich Zeit für Frühstück) tat ich dann aber, was ich mir am Morgen neu vorgenommen hatte: ich machte mich auf den Weg, um noch so viele km zu marschieren, wie Kopf, Geist, Muskeln und vor Allem das Wetter es subjektiv zulassen würden. Ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt hatte es nämlich – man glaubt es kaum – tatsächlich endlich aufgehört zu regnen und es kam sogar die Sonne zum Vorschein. Das möchte ich Euch auch nicht vorenthalten und präsentiere daher gern noch ein paar Bilder von der Strecke.
     
  5. Finny

    Finny Well-Known Member

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  6. Finny

    Finny Well-Known Member

    Nach zwei weiteren Runden traf ich dann doch mal auf Rainer, der gerade einem anderen 100er gratulierte und konnte mich dazu gesellen. Er meinte dann „Prima, dann machen wir das jetzt schnell gemeinsam“, sofort gefolgt von „Schwachsinn, es gibt für jeden eine kleine Einzelehrung, Ehre dem Ehre gebührt!“

    Ich hatte nun Gelegenheit mit einem weiteren erfahrenen Ultraläufer ein paar nette Worte zu wechseln und Rainer, dessen Telefon in einer Tour ging, entschuldigte sich bei uns, dass alles recht hektisch von statten ging, gab uns aber mit großen und lieben Glückwünschen unsere T-Shirts und lichtete uns noch für die Pinnwand ab. In Reken ist man nämlich mit der Hoffnung aufs T-Shirt ein sogenannter Pinnwandanwärter ;-) Der Preis des T-Shirts sei allerdings hoch: man müsse 100 € in die Spendenkasse werfen, Scherz beiseite, viel wichtiger sei es ihm, dass man damit wiederkäme, jedes Jahr! Das steht wohl außer Zweifel J

    Zu diesem Zeitpunkt war ich mir zwar keineswegs sicher, ob ich diesen Kilometerfresser-Wahnsinn je noch einmal in Angriff nehmen würde, doch wiederkommen würde ich bestimmt.

    Das gelobte auch der weitgereiste Wolfgang, der neben mir geehrt wurde und wahrlich viel Erfahrung jenseits der 100 hat. Einige von Euch kennen ihn sicher auch.

    Endlich geschafft, da ist das blöde T-Shirt ;-)

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    Und Finny ist auch wieder zufrieden

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    Mit dem T-Shirt am Leib spazierte es sich die nächsten Runden dann doch gleich auch nochmal etwas heiterer. Spaß beiseite: ich beschloss zu diesem Zeitpunkt, dass wohl 120 km ein angemessenes Ziel seien, welches es mir ermöglichen würde, noch vor dem großen Aufbruch und vor der eintretenden Dunkelheit sicher und wohlbehalten mit dem Womo zuhause anzukommen. So langsam wurde nämlich auch ich ein wenig müde.

    Und während in den frühen Morgenstunden das neue Auftauchen vieler Läufer aus den Staffeln und auch einiger „normaler“ Sonntagsläufer und Spaziergänger noch einmal ordentlich Pepp brachte, empfand ich es nun, da mir selbst so langsam auch nicht mehr nach Laufen zumute war, eher als befremdlich hier „nur“ noch rumzugehen. Auf meinen letzten beiden Runden schloss sich mir nochmal ein Läufer an, den ich auch zuvor schon ein paar Mal um Nicole und Norbert herum getroffen hatte, doch so recht war auch das mir inzwischen eher lästig als angenehm…

    So war es denn um 14:29 Uhr und mit den 120 km auch genau der richtige Zeitpunkt aufzuhören, nicht zuletzt da es inzwischen auch schon seit rund 30 Minuten zunehmend stärker wieder regnete und wir auch immer langsamer wurden. So richtig spazieren gehen könnte ich ja auch morgen nochmal ;-)

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    Mit mir und meiner Welt im Reinen machte ich mich also auf zum WoMo, brachte mich dort in aller Ruhe wieder in einen Zustand, in dem man auch der Außenwelt – also allen Nichtläufern dieser Welt – unter die Augen treten konnte, kochte mir noch einen Coffee to drive und machte mich gemütlich auf den Heimweg. Nachhaltig gedopt und euphorisch von meinem Erfolg, einer Menge lauter Musik aus dem Autoradio und einem erfolgreichen Geocachefund auf dem Heimweg fiel die einsame Fahrt zum Glück recht leicht und um 16:30 Uhr saß ich dann auch wieder im heimischen Wohnzimmer.

    Zu meiner großen Überraschung sprach Marcel auch von Stolz und nicht von Einweisung, so dass wir beide meinen verrückten Ausflug als erfolgreichen Abschluss des Urlaubs annehmen konnten J

    Dass ich heute dann noch völlig verblüfft mein Ergebnis zu Kenntnis nehmen durfte, hat dem Ganzen doch das Sahnehäubchen aufgesetzt: ich wurde 2. Frau und habe mit meiner Startnummer 6 zudem den 6. Platz belegt. Das kann ich noch immer kaum glauben…

    Zu guter Letzt noch mein Resümee mit einem Tag Abstand: natürlich würde und werde ich es wohl wieder tun, die Frage ist nur, wo und wie ;-)

    Danke fürs Lesen!

    LG,
    Finny
     
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  7. Elmar

    Elmar läuft

    Glückwunsch, toll gemacht.
    Bewundernswert, bei so einem Wetter solange durchhalten. Ich kanns mir nicht vorstellen. Aus mir wird wahrscheinlich nie ein 24h Läufer.
     
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  8. Lumi

    Lumi Watschelt.

    Also, als inoffizielle Stylingpolizei des Forums muss ich erstmal anmerken, dass ich die schwarz/weißen Tights total super finde. :D

    Ich bin auch total beeindruckt von deiner wahnsinnigen Leistung und ich finde es nach wie vor unverständlich, wie du sagen kannst du wärst noch nie "einen echten" Ultra gelaufen. Du Tiefstaplerin!

    Eine unglaubliche Leistung. Ich schließe mich aber Elmar an. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, 24h im Kreis zu laufen. Vielleicht wage ich mich irgendwann mal an einen 6h Lauf, aber alles darüber überlasse ich den echten Ultras wie dir, liebe Finny!
     
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  9. Finny

    Finny Well-Known Member

    Liebe Lumi,

    vielen Dank für Deine lieben und anerkennenden Worte - da werd ich doch gleich ganz rot :)

    Mit Elmar habe ich in Hanau auch schon darüber gesprochen, dass ich dieses Gekreisel und vor Allem auch den Wechsel von Gehen und Laufen, gar noch mit stundenlangen Pausen, eben nicht so wirklich als 100er betrachte wie einen "echten" Hunderter. Aber das ist ja auch nicht so wichtig und einfach nur subjektiv :)

    Es ist auf jeden Fall verrückt, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen zum Gekreisel sind: die einen (erstaunlicherweise auch "echte" Ultras) finden es unglaublich schwer, anderen (wie mir) scheint es viel leichter. Gut, dass es von Allem genug Auswahl gibt und für jeden was dabei ist :)

    LG,
    Finny
     
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  10. Dennis

    Dennis Dauerläufer

    Als ich gestern zu Bett gegangen bin und Deinen Bericht im Forum ankommen sah, scrollte ich mit dem bis dato noch kaputten Display auf das erste Foto - sah jemanden mit Reiterhelm und dachte - in diesem Zustand kann ich unmögliche einen Finny Bericht lesen.

    Inzwischen ist das Handy wieder ganz, aber dennoch habe ich mir den Bericht lieber auf einen anständigen Bildschirm angesehen.

    Ich gratuliere Dir ganz herzlich zu Deinem Ergebnis. Bei Wind und Wetter ist das Kreiseln sicher noch eine deutlich größere Herausforderung! Ich könnte bei dem Dreckswetter nicht ins WoMo steigen - ich käme sicher nicht wieder heraus.

    Danke für Deinen Bericht und die Bilder!
     
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  11. Max

    Max Well-Known Member

    Weil ich ungefähr ahnte, was mich in Sachen Textlänge erwarten würde, verschob ich die Lektüre ebenfalls von gestern Abend auf heute Mittag. Und es hat sich gelohnt. Ein toller Bericht zu einem tollen Ergebnis und Erlebnis. Besseres Wetter hätte ich dir natürlich gewünscht, aber du scheinst ja auch so (zurecht) sehr zufrieden zu sein.
     
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