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Brüder Grimm Lauf 09.-11.06.2017 - Mein erster kleiner Etappenlauf

Dieses Thema im Forum "Laufberichte" wurde erstellt von Finny, 16 Juni 2017.

  1. Finny

    Finny Well-Known Member

    Auf den BGL war ich schon mehrfach aufmerksam geworden. Erneut ins Gedächtnis rief mir dann Elmars Signatur den netten Spaß in seiner Heimatregion. Und wie ich den guten Elmar so dazu interviewte, ob sowas wohl auch für mich schon machbar sei, da wurde ich (natürlich) zur Anmeldung ermutigt. Hätte ich mir denken können, denn Elmar ist definitiv ein Mutmacher und selbst ja völlig tiefenentspannt, ganz gleich wie groß die Herausforderung auch ist, der zu stellen er sich bereit erklärt.

    Aber nun zurück zu meiner Wenigkeit, die ich zwar schon mutig bin, aber eben doch noch ein klein wenig seltener tiefenentspannt, zumindest wenn es um die Vorbereitung eines solchen Manövers wie den BGL ging.

    Zwar war ich nun schon öfter „mal eben so“ bei einem 6 Stundenlauf gestartet, war letztes Jahr in Sprockhövel und in Reken über meine Verhältnisse viel ungeplant gelaufen und hatte somit schon mehrfach Mut zur Lücke bewiesen, doch der BGL hielt mit seinen Rahmenbedingungen doch noch ganz andere Neuerungen und Herausforderungen für mich bereit.

    Sabine Fritz, die nette Veranstalterin, riet mir auf Nachfrage zur Meldung aller Etappen, auch auf die Gefahr hin, dass es vielleicht nicht klappen würde. Doch wer nicht alles vorgemeldet hatte, der würde auch am Ende keine volle Teilnahme bestätigt und schon gar kein T-Shirt bekommen, wobei letzteres hier das Erinnerungsstück des ganzen Wochenendes ausmacht, denn Medaillen gibt es nur für AK- und Sieger.

    Sabine mahnte jedoch auch, dass man sich die Distanz natürlich schon zutrauen solle, wenngleich das Tempo durchaus auch moderat sein könne. Was auch immer man beim BGL als moderat ansieht - da die Etappen mit 14-18 km recht kurz sind, wird alles dort doch recht flott angegangen und mit meiner Allzeit-Bereit 6er Pace würde ich definitiv schon im hintersten Drittel rumeiern. Aber nun gut, ich will ja nicht hin, um Blumentöpfe zu gewinnen. Vielmehr muss ich wohl so langsam mal sehen, dass ich mich ans tägliche Laufen und dabei vor Allem an längere Strecken gewöhne, wenn es mit mir und den Sixdays in 2018 was werden soll.

    Während ich im April also noch so vor mich hin grübelte und mich letztlich gegen eine Teilnahme entschied weil ich meinem Mann schon so viele Laufwochenenden abverlangt hatte, erfolgte die Meinungsumkehr zu meinem Geburtstag im Mai. Als sich so recht kein passender Wunsch fand, den es zu erfüllen gab und alle Pläne und Ideen an dummen Hindernissen scheiterten war er ganz verzweifelt, der beste Ehemann der Welt, und fragte mich, ob es denn nun so gar nichts gäbe, womit er mir noch eine richtig große Freude machen könne. Ich nutzte die Gunst der Stunde und warf in den Raum, dass ich mich wahrlich freuen würde, wenn er mich denn im Juni noch einmal zum Laufen losziehen lassen würde, diesmal gleich ein ganzes Wochenende, im Zweifel auch alleine. Alleine weg sein fand er blöd und Geocaches hatte Hanau genug, so dass die Suche nach einer angemessenen Bleibe in der Umgebung Hanaus begann und wenige Tage später auch die BGL-Anmeldebestätigung auf dem Postweg hier einflatterte ;-)

    Also befand ich mich letztlich noch vor dem Start in Windhagen gedanklich schon auf dem Weg zum BGL ;-) Und der sollte mir noch einiges abverlangen. Wie trainiert man auf ein 3-Tage-Laufwochenende unmittelbar nach einem fordernden Marathon, wenn man bisher noch nie so etwas gemacht hat wie dreimal 20 oder mehr km?

    Ich beschloss, mir nach dem M eine Woche Ruhe zu gönnen (also stark reduziertes Training) und dann zwei Wochen mit harter Belastung anzuschließen.
    Eine Woche Regeneration nach Windhagen waren alleine schon wegen der dortigen Höhenmeter angebracht. Meine Oberschenkel sind da einfach noch nicht ausreichend gerüstet.

    Unter harter Belastung schwebte mir vor, die in Hanau auf mich wartende Herausforderung so gut es eben geht nachzustellen, wobei die Wochenenden dafür leider nicht komplett zur Verfügung stehen würden. Man hat ja auch noch andere Verpflichtungen und im Mai gibt es derer hier leider immer viele…

    Ich gestaltete das Ganze also so, dass ich in der ersten Woche zunächst Dienstag die üblichen rund 10 km lief und dann Do früh mit dem 3-Tage-Programm begann: Do vor der Arbeit 11 km, Donnerstagabend nach der Arbeit 19,5 km heim, Freitag früh dann zur Arbeit hin 20 km und nachmittags nochmal gute 15 km. Samstag dann frühmorgens nochmal 11 km, und Sonntag früh noch eine kleine Runde zum Abschluss der Woche mit knappen 5 km. Zwischendrin am Samstag tat eine Radtour mit den Jungs zwecks Geocaching meinen Beinen doch ganz gut. Und siehe da: schwuppdiwupp war auch ich mal bei > 90 WKM Laufen!

    In der Folgewoche sah mein Plan dann vor, das Ganze noch ein wenig mit Höhenmetern zu würzen, denn wie bereits unter „Termine“ erwähnt, gab es in Hanau ja doch auch den ein oder anderen davon.

    Zu diesem Behufe und auch der Wettkampfbelastungsvorbereitung dienlich erschien mir der Hagener Volkslauf mit seinem Angebot, dort zunächst den Halbmarathon und im Anschluss noch die 6 km zu laufen. Zwischendrin ein wenig Rumgehoppel, Ein- und Auslaufen und ich wäre wohl auch hier bei 30 km für den Tag.

    Diesmal begann mein 3-Tage-Training am Mittwochabend mit 12,5 km. Zuvor gab es in der Woche Montagabend bereits 12,5 km. Donnerstag setzte es sich dann in Hagen fort. Die 21 km mit 400 Höhenmetern waren bei schön sonnigem Wetter eine echte Herausforderung, die ich entgegen meiner eigenen Erwartung jedoch mit gutem Durchhaltevermögen noch unter 2 Stunden meistern konnte. Eine Pause von rund einer Stunde blieb mir nun, um mir ein bisschen die Beine auszuschütteln, mich frischzumachen und mir nochmal vor Augen zu halten, welchen Irrsinn ich mir wieder in den Kopf gesetzt hatte ;-)

    Das Treffen mit Max in Hagen trug nicht nur zu guter Laune bei sondern erinnerte gern auch daran, was man alles aus sich rausholen kann, wenn man nur will ;-) An dieser Stelle auch nochmal Danke an Max für die „Erinnerung“ an diese Veranstaltung in seiner Signatur und die ermutigenden Worte in Hagen vor Ort!

    Die zweite Runde war dann ja fast ein Klacks, wenngleich meine Beine natürlich schon schwer wie Blei waren. Doch 6 km sind natürlich eine nett übersichtliche Distanz, die man sich noch in jedem Zustand schönreden und flux hinter sich lassen kann. Erst recht wenn das Wetter stimmt und die Natur um einen herum so schön ist wie in Hagen. Das im Anschluss genossene Eis war eine Wonne :) Am Freitag dann ging`s in aller Frühe wieder auf den Weg zur Arbeit, 20 km und am Nachmittag (leider viel später als geplant) dann nochmal für 14 km auf die Piste. Samstag wurde gerudert (diesmal gab es Kajak-Cachen auf der Ruhr) und am Sonntag folgte zum Wochenabschluss noch ein kleines Läufchen von 5 km.

    So langsam ging mir vor Allem der Schlaf aus, denn die inzwischen unerwartet hohen Temperaturen sorgten dafür, dass an frühe Nachtruhe beim besten Willen nicht zu denken war – die meisten Nächte in den zwei Wochen schlief ich zwischen vier und fünf Stunden. Doch was tut man nicht alles ;-)

    Die vorletzte Woche vor dem BGL hatte dann nur noch 62 km, verteilt auf 5 Einheiten. Wobei ich auch hier recht kurzfristig noch einen Doppeldecker am Samstag einschob: morgens 17 km durch den Wald und endlich mal im passenden zeitlichen Abstand (also wie beim BGL) nachmittags nochmal 16 km. Eigentlich hätte ich an dem Tag nochmal im Sauerland bei einem Halbmarathon starten wollen, doch das fiel anderen misslichen Umständen zum Opfer und wie so oft kommt den Plänen das Leben dazwischen. Am Sonntag drauf tat ich einfach nichts (außer Spazierengehen in der hügeligen Haard und geocachen mit Marcel), und unfassbarer Weise fühlte sich das völlig komisch an. Nicht, dass ich doch noch zur Streakrunnerin werde ;-)

    So, liebe Matthie, nun weißt Du ganz genau, wie ich „trainiert“ habe. Es sei noch erwähnt, dass ich auf jegliche Form des strukturierten Tempotrainings verzichtet habe (mache ich ja eh so gut wie nie) und einfach drauflos gelaufen bin. Die Tempoeinheiten waren dann ja in Hagen ;-) Mir kam es mehr darauf an, trotz nicht ganz glücklicher Möglichkeiten noch den einen oder anderen Hügel einzusammeln und vor Allem zeitlich in den passenden Ablaufrhythmus zu kommen.

    Ob es gereicht hat, um in Hanau alle Etappen tatsächlich durchlaufen zu können, das lest Ihr nun in der Folge ;-)

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  2. Finny

    Finny Well-Known Member

    Freitag, 09.06.2017: Der große Tag!

    Nach einer richtig ereignisreichen Woche, in der ich kaum zum Schlafen kam vor lauter Zeug und Gedanken (im Job tut sich gerade richtig viel) und somit weder erholt war noch viel Zeit blieb sich mit der Aufregung zu beschäftigten, war es nun also soweit. Ich musste noch bis mittags arbeiten, um 11:45 Uhr ging die Reise nach Hanau dann endlich los. Recht knapp bemessen war die Fahrtzeit, doch ich hatte mich mit einer Bekannten (Nicole) so abgesprochen, dass sie im Zweifel meine Startnummer würde einsammeln können. Wir kamen aber recht gut durch und landeten selbst gegen 15 Uhr im bereits reichlich überfüllten Hanau.

    Und wie wir so durch die Seitenstraßen fuhren auf der vergeblichen Suche nach einem freien Parkplatz stand plötzlich auch unverhofft Nicole mit ihrem Wagen hinter uns. Ein echter Zufall! Schnell packte ich ein paar Dinge um und verabschiedete mich von Marcel, während Nicole einen Parkplatz suchte. An der Main Kinzig Halle in ein paar Hundert Metern Entfernung holte ich dann Startnummer und -beutel ab und traf auch sogleich auf Elmar. Der Gute war natürlich wie gewohnt völlig tiefenentspannt, wohingegen mich und Nicole (und vermutlich auch viele andere) die üblichen Fragen nach dem „welche Klamotten, was noch essen/trinken, wo ist die Pipibox, wo gibt man seine Taschen zum Transport ab“ plagten. Zusammen mit Elmars Bekannten Anna und Frank machten wir uns dann schon recht früh auf den Weg in Richtung Marktplatz, wo der Start erfolgen würde, etwa 1,5 km Fußmarsch von der Halle entfernt durch die Innenstadt Hanaus. Dort trafen wir dann noch ein paar andere Bekannte aus dem Forum bzw. der Facebook-Gruppe und ich hatte endlich Gelegenheit auch Elke und Nicole kennenzulernen, worüber ich mich sehr freute. Ein paar Fotos wollten natürlich auch gemacht werden.

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    Bei strahlendem Sonnenschein standen wir also noch eine gute Weile herrum, ehe um 17:30 Uhr endlich der Startschuss zur ersten Etappe fiel. Für mich war die Wartedauer viel zu lang und der sich mehrende Trubel so ganz und gar nichts an diesem Tag. Aber ich freute mich auch, noch einige Zeit mit Nicole reden zu können, die ich beim 6-Stundenlauf zuletzt gesehen hatte.

    Vom angesagten Unwetter war zu diesem Zeitpunkt noch nichts zu sehen, das sollte sich jedoch noch ändern. Während ich eigentlich damit gerechnet hatte, Elmar sehr weit vorne im Startfeld zu sehen, blieb er zusammen mit Anna bei mir im Mittelfeld, was dann auch dazu führte, dass wir die ersten km gemeinsam unterwegs waren. In einem für mich eigentlich schon etwas zu zügigen Tempo.

    Aber es war ja auch eine seltene Gelegenheit (und dazu die erste) für mich, gemeinsam mit Elmar auf einer Laufstrecke zu sein. Und da er zudem noch ein paar Bilder von uns machte, habe ich mich auch sehr bemüht, einen guten Eindruck zu hinterlassen ;-)

    Um nicht schon frühzeitig zu sehr auf Risiko zu gehen, ließ ich mich aber, als wir so etwa bei km 5 waren und uns im schöneren Abschnitt der ersten Etappe in einem Waldstück einfanden, so langsam etwas zurückplumpsen bzw. zog nicht weiter mit an. Die beiden Lieben wollten mich zwar gern noch mitschleifen, doch ich vergewisserte ihnen, dass alles ok sei, ich aber nun meinen eigenen Stiefel laufen würde, dem sie sich natürlich gerne anschließen könnten ;-)

    Bis dann wenig später der Starkregen mit heftigem Gewitter und Wind einsetzte konnte ich so auch noch ein paar Minuten die schöne Waldstrecke genießen. Dann ging es jedoch schnell daran, sich einfach aufs Laufen zu konzentrieren und darauf, im Frontalregen überhaupt noch geradeaus schauen zu können.

    Ach, das war schon alles reichlich beschwerlich, meine Beine fühlten sich überhaupt nicht gut an, ich mag keinen Regen, mir wurde kalt, ich machte mir Gedanken, weil ich doch so zügig gestartet war und überhaupt war ich ja auch ein ganz klein wenig nervös. Und dabei war die erste Etappe mit rund 15 km und quasi null Höhenmeter (45 maß meine Polar) ja wirklich nur ein kleiner Auftakt. Als sich der Weg dem Ende näherte hörte es dann glücklicherweise auch mal auf zu regnen und so gab es nach 1:27 und 15,25 km ein sonniges Zieleinlaufbild von einer klatschnassen Finny, die tatsächlich sogar etwas durchgeschlottert war.

    Marcel stand unwissentlich zusammen mit Elmar direkt an der Ziellinie und beide waren wohl ebenso froh darüber, dass doch nochmal die Sonne rausgekommen war.

    Die Tatsache, dass wir beim BGL scheinbar immer gemischt duschen hat mich nur eine Sekunde irritiert, denn dann gab es auch schon ganz andere „Probleme“ zu lösen: zu diesem Zeitpunkt war nämlich bereits nur noch eiskaltes Duschwasser vorrätig. Und während so manch einer wohl die Dusche ausfallen ließ, bin ich zumindest noch kurz ins kalte Nass gestolpert, um nicht völlig stinkend zu Marcel ins Auto zu steigen.

    Nun ging´s endlich ab zu unserer Ferienwohnung, in der Nähe Steinaus, wo wir uns den Rest des Abends aufhielten und unsere eigene Pastaparty abhielten. Ich schmiss mich noch auf die Yogamatte, genoss eine heiße Dusche und gegen Mitternacht war es dann auch höchste Eisenbahn die Lichter auszumachen. Um 7 Uhr ging schließlich der Wecker und so langsam wären 7 Stunden Schlaf doch auch mal wieder was Feines ;-)
     
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  3. Finny

    Finny Well-Known Member

    Samstag, der Sandwich-Tag:

    Es ist 5:45 Uhr und Finny ist wach. Der Wecker sollte erst um 7 Uhr gehen. Mmh… Nun gut, dreimal im Bett gewälzt, viermal die Beine gestreckt – Kapitulation, ich stehe auf. Und nutze die Zeit neben dem üblichen „was zieh ich an, wie viel Zeit hab ich fürs Bad“ für eine schöne Morgenrunde Yoga—soll ja bekanntlich gegen steife Knochen helfen. Und eines kann ich Euch sagen: ich fühlte mich wie eine Eisenstange. Um 8:30 Uhr mahnte ich zum Aufbruch. Diesmal wollte ich recht kurzfristig vorm Start erst vor Ort sein, um nicht wieder ewig im Gewühle zu stehen. Start ist am nun dort, wo wir gestern landeten. Die Turnhalle ist der Sammelpunkt und hier dürfen wir auch wieder unser Gepäck auf die Reise schicken. Wer wollte konnte hier auch nächtigen und/oder eine Frühstücksmöglichkeit in Anspruch nehmen.

    Natürlich treffe ich vor Ort sofort wieder Nicole und Elmar, das klappt doch schon mal prima ;-)

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    Der heutige Tag soll schon etwas wilder werden was die Strecke betrifft. Gestern hörte und heute las ich im Profil, die Strecke am Vormittag sei anstrengender als die am Nachmittag. Mein genaues Studium der Profilkarte zeigt mir aber, dass es in beiden Fällen erst einmal für rund 2/3 der Strecke mehr oder weniger bergauf geht, ehe man den Rest dann runter kullern kann. Also komme ich endlich auf meine Kosten und darf mich am Berg üben ;-)

    Anfangs laufen wir noch ein Weilchen durch die Ortschaft und dann einen neben der Straße verlaufenden, leicht ansteigenden Radweg entlang, ehe es nach einem kurzen knackigen Anstieg im Wohngebiet auch bald schon zügig in Richtung Wald geht.

    Hier ist es schön, vor Allem noch schön schattig. Darüber freuen wir uns wohl alle gleichermaßen, denn der heutige und erst recht der morgige Tag sollen sehr sommerlich werden. Nach einiger Zeit hat sich das Feld sortiert und ich laufe nun so meinen Takt, der sich wieder so bei 5:40 irgendwas einpendelt.

    Am ersten nennenswerten Anstieg im Wald nehme ich einen Läufer mit auf die Reise, der zu dieser Zeit nach der Verpflegung das erste Mal etwas ins Stocken gerät. Er kommt aus Berlin und wir werden nun einige Zeit gemeinsam unterwegs sein. Das ist ja immer nett an solchen Veranstaltungen: man plaudert ein wenig und jeder ist so die Ablenkung und Bereicherung für den anderen. Der Aufstieg, nicht wild, aber auch nicht ohne Anspruch, vergeht so wie im Flug und ich kann alles um mich herum aufsaugen und auch die schöne Waldumgebung sehr genießen.

    Mein Begleiter ist Wiederholungstäter und weiß einiges zu berichten über den BGL. So ist auch der Käfernberg, der steilste Anstieg dieser Etappe, bald im Laufschritt genommen. Nach etwa 10 km sind wir oben und nun kullert es, wir laufen jetzt rasant bergab. Auf diesem Stück muss ich Berlin-Jörg zurücklassen, er will ein wenig auf seinen Puls achten.

    Ich hingegen renne wenig später mehr oder weniger kopflos durch die offenen Felder und erfreue mich der herrlichen Ausblicke.

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    Im Nu werde ich immer schneller und euphorischer, wechsele noch ein paar Worte mit ein paar anderen Läufern auf dem geraden Reststück, welches uns schon in die Ortschaft führt und ratz fatz bin ich im Ziel. Wo – natürlich – der gute Elmar schon wieder mit seinem Handy parat steht ;-)

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    Total happy atme ich erst einmal tief durch, besorge mir ein Getränk und plaudere ein wenig, ehe ich zur Ruhe komme und mich etwas dehne (soll man ja, macht man nur so gut wie nie). Ich will auch noch auf Nicole warten, die hoffentlich auch gut durchkommt. Die Gute ist ja sehr tapfer samt ihrem lästigen Fersensporn auf der Strecke und wird immer deutlich länger brauchen als ich.

    Wir stehen nun allesamt in der prallen Sonne und das sieht man später am Tag recht gut ;-) Aber ich merke auch, wie die Freude in mir aufsteigt, wie gut es heute (vergleichsweise zu gestern) für mich lief.

    Als Nicole auch im Ziel ist machen wir uns gemeinsam auf den Weg zur Turnhalle, wo wir unsere Taschen vorfinden. Während Nicole sich auf den Weg macht, um Ihr Auto zu holen beginne ich langsam mit der „Nachbereitung“ von Teil 1 des heutigen Tages: erst einmal frischmachen – diesmal zum Glück mit warmen Wasser. Dass wir uns dafür mit alle Mann und Frau nur zwei Duschen teilen müssen ist kein Problem. Es etabliert sich schnell ein gutes Konzept: Wasser über sich laufen lassen, Platz machen und im Trockenen einseifen, wieder abwaschen und raus geht`s. So sind alle recht zügig versorgt und niemand hat das Gefühl, dass ihm oder ihr das warme Wasser weggenommen wird. Wobei wohl heute schon der ein oder andere auch kalt geduscht hätte ;-)

    Ich lasse mir nun mit Allem viel Zeit, denn es wird ja auch Stunden dauern, ehe wir auf die nächste Etappe geschickt werden. Draußen auf dem Hof haben die Veranstalter das erste „Büffet“ für uns aufgebaut. Es werden Suppe optional mit Wurst und Brot, Käsestangen (Lauge), Kuchen in allen Varianten und alle möglichen Heiß- und Kaltgetränke zum kleinen Preis angeboten. Mit einem vollgepackten Kuchenteller und einer Tasse Kaffee mache ich es mir nun auf der Wiese gemütlich, wo schon viele andere sich niedergelassen haben.

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    Einerseits ist hier viel Leben, andererseits sieht man auch, dass jeder versucht, so gut wie möglich zu entspannen: während manch einer liest, wird sich anderorts gedehnt und ge-black-rolled, auch haben viele tatsächlich einfach die Ruhe weg, hier zu schlafen. Letzteres gelingt mir leider nicht. Ich habe nicht einmal genug innere Ruhe, um etwas zu lesen. Stattdessen studiere ich schon wieder eifrig den Streckenplan der nächsten Etappe und tippe ein wenig auf meinem Handy rum, bis ich Elmar und Jeannette entdecke und mich zu den beiden geselle. Wenig später trifft auch Nicole wieder ein und überrascht mich mit perfekter Picknickausrüstung: Auf ihrer großen Decke dürfen wir alle mit Platz nehmen und der längerdauernde Aufenthalt im Freien wird so doch deutlich entspannter.

    Um uns herum wehen alle möglichen zum Trocknen aufgehangenen Kleidungsstücke und die Schuhe dürfen auch auslüften – es ist schon ein großer Spaß, dies wirklich mal live zu sehen. Wir wissen glaube ich alle nicht so recht, was wir mit der ganzen Zeit bis zur nächsten Etappe so anfangen sollen und obwohl wir uns sehr viel zu erzählen haben ist irgendwann dann doch auch mal Ruhe angesagt und wir dösen noch ein wenig vor uns hin.

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    Ich merke, dass es ganz gut war, dass ich mir die Zeit für eine ausgiebige Beinmassage nehmen konnte, dennoch habe ich etwas Respekt vorm Anlaufen.

    Kurz vor dem Start der nächsten Etappe schau ich kurz mal bei einem netten Paar aus unserer Umgebung vorbei, das ich bisher nur von ihrem Blog und via Facebook kannte. Fein, dass wir uns in 350 km Entfernung (statt 25 in der Heimat) dann doch auch mal persönlich über den Weg laufen und kennenlernen dürfen :) Die beiden sind übrigens auch BGL-Wiederholungstäter aus Überzeugung.

    Während das BGL-Urgestein schon 15 Minuten früher auf die Strecke darf, scharren wir übrigen inzwischen mit den Hufen. Jeder will nun auch endlich wieder los, denn abends ruft die Pastaparty und Schlaf.

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    Die 3. Etappe habe ich mir schön geredet im Sinne von: es ist ja wie die zweite, nur etwas länger. Erst mal schön hoch, aber dann auch nur noch runter laufen. Man wird quasi fürs Durchhalten belohnt!

    Ich treffe schnell wieder auf meinen Berliner und wieder schnacken wir fröhlich rum. Ich bin positiv überrascht, dass so gar kein schlimmer Anstieg dabei ist und laufe alles recht locker durch. Die dritte Etappe ist allerdings aus meiner Wahrnehmung landschaftlich jetzt nicht so der Hit, es ist vielleicht ein wenig zu langweilig mit viel Asphalt und zu wenig Natur. Dennoch bin ich natürlich froh, dass es so gut läuft und habe wieder Spaß daran, die mit mir laufenden Zeitgenossen zu unterhalten. Nicht jeder scheint die Strecke hier noch gut laufbar zu finden. Auch Jörg muss zum Ende hin wieder rausnehmen und schickt mich weiter. Nicht aber, ohne mir zuvor gesagt zu haben, was mich noch erwartet. So kann ich ganz entspannt den Rest der Strecke gleichmäßig durchlaufen, denn es ist nun noch Ebene. Ich will ins Ziel und mache auf den letzten Kilometern nochmal etwas Tempo.

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    Den letzten Streckenposten frage ich im Vorbeilaufen, ob es denn auch schön ist im Ziel und ich mich bemühen soll, schnell hinzukommen. Er bejaht und so nehme ich die Füße in die Hand und ziehe weiter. Im Stadion eingelaufen bin ich abermals völlig überwältigt, diesmal nicht zuletzt von dem großen Aufgebot an Zuschauern und der tollen Stimmung.

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  4. Finny

    Finny Well-Known Member

    Aber mir ist auch sehr warm und ich bin wirklich eklig nassgeschwitzt. Da Marcel auch von einer anstrengenden Radtour zurückkommt und im Dreck steht stimmen wir uns ab, ganz schnell in unsere Ferienwohnung zu fahren und dort in aller Ruhe und ausgiebig zu duschen. Ich schaffe so nur noch meine Sachen zusammen und tigere zum Parkplatz. Da die Laufstrecke hier vorbeiführt kann ich noch ein kleines „fast-im-Ziel“-Video von Nicole drehen, die nun auch reinkommt und einfach nur noch heim will.

    Der zweite Tag neigt sich dem Ende und ich bin richtig guter Dinge. Aber ich bin auch froh, dass ich in unserer Ferienwohnung wieder eine eigene kleine Pastaparty mit bewährtem Essen abhalten kann und erst einmal nicht mehr so im Trubel stecke.

    Zwar ist die Nacht auch wieder zu kurz und wenig erholsam, da ich wirklich sehr aufgeregt und ehrfürchtig dem kommenden Tag entgegenblicke, doch zumindest habe ich mich abends wieder in aller Ruhe gestreckt, gereckt und auf der Yogamatte langgemacht. Und ehe es am nächsten Morgen nach dem ersten Kaffee wieder in Richtung Gelnhausen geht konnte ich auch noch ungestört tief durchatmen und mir nochmal vergegenwärtigen, was ich da eigentlich so tue ;-)



    Sonntag, der große Tag!

    Heute müssen wir noch ein wenig früher aufbrechen, denn die erste Etappe startet um 9 Uhr in Gelnhausen. Zuerst fahren wir dorthin, wo wir gestern gelandet waren, doch dort sind wir falsch und ich werde schon wieder leicht nervös. Nicht so mein Mann (Herr Kaninchen), der auf meine Grummeligkeit nur erwidert, ich solle mich beruhigen, er würde demnächst schon alle meine Laufevents durchplanen und perfekt und fehlerfrei organisieren – na da bin ich ja mal gespannt ;-)

    Zum Glück ist noch genug Zeit und ich stampfe mit viel Sack und Pack den Berg zum Marktplatz hoch, wo schon ordentlich der Bär steppt. Alsbald nach Taschenabgabe treffe ich nochmal Roland und Angelika aus der Heimat, doch so recht habe ich keine Ruhe, mich lange zu unterhalten ehe ich nicht nochmal eine Toilette gefunden habe. Neben dem stillen Örtchen werde ich auch anderweitig fündig und treffe auf Nicole, die wieder von daheim aus angereist ist.

    Auch Elmar, Elke, Nicole und Rebecca sind schnell ausgemacht und wir fangen mit unseren üblichen „vorher“-Foto-Knippsereien an. Heute ist der Fokus auf die Aufnahme des Schuhwerks gerichtet – ob es wohl daran liegt, dass die Augenringe immer dunkler werden ;-)

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    Schnell noch ein paar nette Worte füreinander und ich mach mich ein wenig nach vorn.

    Die vierte Etappe liegt nun vor uns und dem Hören - Sagen nach soll sie die Schwierigste sein. Ein Mitläufer, der noch ein Bild von mir knippst, prophezeit mir aber, es sei doch heute alles ganz entspannt und ich habe nur recht moderate Anstiege zu erwarten. Das Profil gibt diesmal ein mehrmaliges Auf und Ab her, gleich nach dem ersten Kilometer geht es für einige km bergauf. Also volle Kraft voraus, von Anfang an!

    Direkt noch in der Ortschaft treffe ich meinen Berliner wieder – hach, was ist das schön! Sein Sohn ist immer deutlich vorneweg unterwegs und so freut auch er sich über das Wiedertreffen und wir sind guter Dinge, auch diese Etappe eine Weile beisammen zu bleiben.

    Überhaupt ist das Feld inzwischen gut sortiert und es scharen sich letztlich natürlich oft die gleichen Nasen um einen. Alles wird eben etwas familiärer und man spürt förmlich das „wir schaffen das“ untereinander. Vielleicht ist das aber auch nur in meinen Sphären so, wo es weniger um Rangkämpfe als mehr um den Weg zum T-Shirt geht.

    Unter uns „Normalos“ sind Sätze wie“ ich will das (blöde) Shirt und sei es auf allen Vieren!“ nun immer häufiger zu vernehmen. Und natürlich will auch ich das (blöde) Shirt, denn Medaillen gibt es hier ja keine (es sei denn man ist deutlich schneller als die Masse).

    In netter Gesellschaft laufen sich auch die ersten ansteigenden Kilometer heute noch ganz gut und über vermeintliche Schwächen sehe ich einfach großzügig hinweg. Leise Stimmen um mich herum über die Härte des noch vor uns liegenden Berges zu den Vier Fichten unterdrücke ich und beteuere, dass wir über das Schlimme bitte vorweg kein Wort verlieren sollten sondern vielmehr hinterher gern darüber sprechen können, wie tapfer wir auch das alles wieder geschafft haben.

    Ich freue mich, dass die Strecke größtenteils durch den Wald führt und uns die Hitze so noch nicht so sehr erwischt. Ich bin zudem sehr froh, dass es ausreichend Verpflegung gibt unterwegs und ich mich bei der immer stärker werdenden Hitze ständig erfrischen kann. Ich nutze jede VP und nehme dankbar auch noch Schwämme entgegen, die ich leider zu Beginn wieder vergessen hatte.

    Nach dem 7. Km dürfen wir uns ein wenig erholen und rollen lassen. Das nehme ich gern wörtlich und jubiliere innerlich. Um dann kurz nach km 10 zum zweit übelsten Anstieg aller Etappen anzusetzen: es geht jetzt für 1,5 km ordentlich bergauf zu den Vier Fichten. Und hier rutscht auch mir mal kurz das Herz in die Hose, denn ich weiß, das ist noch nicht das Ende der Anstrengungen für heute.

    Während mein Begleiter nun wieder zum Gehschritt ansetzt will ich es abermals wissen (oder sagen wir mal ehrlicherweise probieren) und laufe weiter. Gern gönne ich mir hier nun auch mal einen Hasen, genau genommen folge ich einfach meinem sehr gemütlich laufenden Vordermann in der rechten Fahrspur des Waldweges. Ich tippele im mir eigens für diesen Spaß zugelegten Tippeltanten-Schritt stoisch hinter ihm her. Man hört nun schon das Gejubel oben vom Berg und erstmals fühle ich mich an den Rennsteig erinnert, wo ähnliche Stimmungshochburgen im Nichts zu finden sind. Das spornt natürlich an. Und was sind schon "noch 600m" (ruft uns ein Streckenposten zu)? Ganz klar: hier eher 800m ;-) Sei`s drum: auch das ist geschafft und wir sind oben! Ich danke dem Kameraden für den Rückenwind (im Windstillen sonnenverwöhnten Fichtenwald) und lasse mich nach kurzem Auftanken den Berg runter rollen.

    Hier rollt es nun gewaltig und vor lauter bergab muss man später auch aufpassen, nicht selbst zum Geröll zu werden. Während wir erst noch schön unbefangen die Beine ausschütteln können gilt es alsbald höchst konzentriert steile und steinige Wege unter die Füße zu nehmen, die uns dem Ziel schnell näher bringen sollen. Im Ort dann noch ein Stück normale Straßen und wieder einmal erreichen wir unter der Ankündigung der Moderation einen Zielbogen. Wächtersbach, hier sind wir!

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    Abermals treffe ich sofort auf Elmar, mit dem ich diesmal noch ein Weilchen zusammen stehe und rumplaudere wie schön es doch ist, wenn man alles laufen kann/darf und nirgends Halt machen muss. Wobei ich mir mehr als sicher bin, dass Elmar einfach alles als gemütlichen Spaziergang gelaufen ist ohne sich dabei anstrengen zu müssen, wohingegen für mich hier vieles schon meinen Kampfgeist erfordert. Aber dieser wächst scheinbar mit jeder Etappe und ich stelle wieder mal fest, dass mein Schweinehund wirklich eine ganz arme Socke ist, um die ich mich einfach nie kümmere.
     
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  5. Finny

    Finny Well-Known Member

    So langsam will ich nun aber auch wieder sauber werden und gehe in die Halle, während Elmar sich auf zu seinem Auto macht.

    Auch hier funktionieren die Shuttles wieder tadellos. Den nicht motorisierten Läufern soll in den kommenden Stunden auch ein Bustransfer nach Bad Orb helfen, den letzten dortigen Start rechtzeitig zu erreichen.

    Nach der Dusche schau ich mich in der Halle um und sehe wie schon am Vorabend Massagetische. Ob ich wohl heute mal mein Glück hier versuchen soll? Die Schlangen sind nicht sonderlich lang und ein wenig abschalten und einfach nur dumm rum warten ist ja auch schon mal entspannend. Also steh ich nun da und warte auch.

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    Mit der Entspannung ist es alsbald jedoch vorbei, da sich ein Läufer hinter mir einreiht und nicht mehr aufhört zu reden, leider nicht mit der Wand hinter uns sondern mit mir. Während ich anfangs noch höflich interessiert lausche und erwidere, werde ich zunehmend genervter, weiß jedoch nicht, wie ich hier den Absprung schaffen soll. Ich glaube, es ist mir in dem Moment auch einfach ein wenig zu viel des sehr Hessischen. Wie sehne ich mir jetzt Berlin herbei ;-) Wenn doch nur Elke oder irgendwer anders gewohntes bekanntes und nettes noch hier wäre… Aber ich muss auf jeden Fall meinen Platz auf dem Weg zur Massage verteidigen! Mein tapferes Durchhaltevermögen wird von der Masseurin dann aber in der Tat zu meiner höchsten Zufriedenheit belohnt und ich sehe über das Gefühl blutender Ohren gern hinweg.

    Mit schön lockeren Beinen gehe ich anschließend in Richtung Bushaltestelle und werde mit ein paar anderen, u. a. auch Rebecca, nun nach Bad Orb befördert. Dort erwartet uns das letzte Büffet – und dafür bin ich sehr dankbar, denn es wird um 14 Uhr doch allerhöchste Eisenbahn für mein Kuchenfrühstück.

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    Mit Elmar lasse ich den Vormittag Revue passieren und als am Tisch von Elke, Nicole und Rebecca was frei wird, gesellen wir uns gern zu ihnen. Nach einer Weile löst sich unser kleines Grüppchen dann ein wenig auf, denn jeder sucht sich so seine Möglichkeit, noch ein wenig zur Ruhe zu kommen, ehe in der prallen Sonne noch weitere 18 km zu bewältigen sein werden.

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    Hier in Bad Orb gibt es leider wenig schöne Liegewiesen o. ä., so dass ich froh bin, heute meine Yogamatte dabei zu haben. Mit ihr kann ich auch auf dem Boden Platz nehmen.

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    Nicole mit ihrer perfekten Ausrüstung ist noch unterwegs und will heute im Auto pausieren. Sie hat es sich verdient!

    Leider stelle ich fest, dass ich mir inzwischen eine Blase gelaufen habe – in meinen dämlichen Flip Flops! Na ja, das ist nun wirklich ein alberner Kollateralschaden, wenn ich mich so umsehe und feststelle, dass doch schon an einigen Ecken und Enden gehumpelt, das Gesicht verzogen und gepflastert wird. Im Allgemeinen macht sich auch der Eindruck breit, dass wir nun alle auch „fertig“ werden wollen und ziemlichen Respekt vor der bevorstehenden Hitzeschlacht haben. Aber zugleich sind wir uns sicher: wir haben es bis hierher geschafft, den Rest packen wir nun auch noch.

    Die Tatsache, dass es hier kein wirkliches Zeitlimit gibt nimmt bei einigen auch den Druck raus und wir Frauen denken wohl alle daran, dass wir ja im Zweifel einfach nur irgendwie und irgendwann in Steinau landen müssen. Es wird schon niemand zurückgelassen werden.

    Mit dem Aufbruch runter in die Ortschaft lassen Nicole, die nun auch zu uns gekommen ist, und ich uns viel Zeit, denn wir wollen möglichst lange noch im Schatten bleiben. Dankbar nehmen wir unten noch Schwämme mit auf die Reise und benetzen alles an uns mit Wasser aus den aufgestellten Wannen um auch ja möglichst lange noch erfrischt in den Lauf zu starten.

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    Der Moderator mahnt zur Vorsicht und so startet das Feld (vermutlich größtenteils) auch vorsichtig auf die letzte Reise in Richtung Steinau. Nach nur eineinhalb Kilometern kommt der letzte Anstieg des BGLs und wir dürfen uns über weitere 1,5 km Anstieg freuen ;-) Die Freude sieht man aber in den allerwenigsten Gesichtern. Auch in meinem ist wohl deutlich mehr Anstrengung als alles andere zu sehen. Doch ich will es auch hier wieder wissen und kämpfe mich Meter für Meter den wirklich knackigen Hügel hoch, den Blick immer auf die Uhr und die zurückgelegte Entfernung gerichtet. Erst nehme ich mir vor, dass ich für den ersten km im Laufschritt bleiben will, denn denke ich in 100m - Abschnitten und schlussendlich sage ich mir, dass es nun wahrlich nicht mehr lohnt noch mit dem Laufen aufzuhören. Wer mich kennt weiß ja um meine verrückte Devise, dass ich Gehpausen zu vermeiden suche und jeden hügeligen Lauf als Herausforderung annehme (gibt es doch hierzulande wenig zu klettern). Über die Klugheit solchen Vorgehens lässt sich bestimmt streiten, doch zum Streiten sind wir ja nicht hier, sondern zum Laufen. Also weiter geht`s!

    Oben angelangt werden wir wieder einmal bestens umsorgt und angefeuert. Nun geht’s für 2 km rasant bergab. Wie schon in der ersten Etappe des heutigen Tages werde zwar auch ich hier schneller, doch das Tempo, dass die Läufer/innen um mich herum nun anschlagen ist mir nicht geheuer und traue ich mir nicht zu. Ich bin froh, dass alle Knochen, Knie und der Rest soweit mitspielt und sich die Blase ruhig verhält und pendle mich in der bald folgenden flachen Ebene recht zügig wieder so bei 5:35/km ein. Hier knallt die Sonne nun unerbittlich auf uns nieder. Wir laufen entlang eines Radweges und freuen uns über jede Erfrischungsstelle. Ich will auch endlich ins Ziel und nehme die Beine in die Hand. Zum Glück macht mir die Hitze nicht so sehr zu schaffen, was sicher auch daran liegt, dass ich mich schon früh komplett von einem Schlauch habe tränken lassen und fortan auch beständig nassgeschüttet unterwegs bin und an jeder VP einen Schluck trinke, ganz gleich, ob ich Durst habe oder nicht. Nach etwa 11 km tippe ich mir dann doch mal lauthals lachend mehrfach an Schläfe und Stirn und rede mit mir selbst darüber, wie irre es ist, freiwillig bei diesem Wetter längere Zeit draußen rumzurennen. Mein aktueller Weggefährte stimmt mir zu und wir lachen uns kurz gemeinsam scheckig, nicht jedoch ohne zugleich auch froh zu sein, dass es uns noch so gut geht - sieht man vom offensichtlichen Sonnenstich mal ab ;-)

    Und so erreichen wir zügig ein etwas schöneres Teilstück, am Rande des Stausees, wo es sich dank einiger schattiger grüner Abschnitte auch gleich wieder etwas besser aushalten lässt. Auf den letzten Kilometern sind wir inzwischen zu viert – ich in Begleitung dreier Herren, und haben nochmal gehörigen Spaß. Der Zieleinlauf in Steinau, was ein wirklich hübsches Örtchen ist, erinnert mich sogar ein wenig an Münster. Besonders schön, dass ausgerechnet von uns und vor Allem ausgerechnet hier beim letzten Zieleinlauf als tolle Erinnerung des Geschafften ein Foto von uns gemacht wurde (folgt).

    Selbst drücke ich auf meinem Handy natürlich auch sogleich ab, nachdem ich die Ziellinie passiert habe, ehe ich sehr schnell in Richtung des Brunnens marschiere und mich dort ins kühle Nass stelle. Was für eine Wohltat!

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    Auch wenn derlei Verhalten mir sonst etwas suspekt ist, in dieser Sekunde hätte ich mich wohl auch kopfüber in den nächstbesten grünen Tümpel hinter der Ziellinie gestellt, damit die Füße endlich ausdampfen können ;-)

    Ich besorge mir nun noch mein wohlverdientes T-Shirt und gehe dann mit Elmar gemeinsam recht gemächlich in Richtung der Turnhalle oberhalb des Burghofes, wo er seinen Fahrer und ich meine Tasche anzutreffen hoffe.

    Marcel ist auch schon auf dem Weg und entgegen meiner Erwartungen hat er sogar noch Lust, sich ein wenig hier auf dem Festplatz aufzuhalten und noch etwas von der angebotenen Grillware zu verzehren. Ich versorge mich mit einer riesen Portion Pommes rot-weiß und kann mich vor lauter Eindrücken und Glücksgefühlen noch immer gar nicht richtig sammeln.

    Bester Nichtläufer-Ehemann der Welt!

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    Die Siegerehrung von Elke habe ich leider verpasst, da wir dann doch recht zeitig aufbrechen mussten, doch meine herzlichen Glückwünsche zu dieser tollen Platzierung hinterlasse ich natürlich gern auch hier noch einmal!

    So, auch Ihr Tapferen lieben Leser/-innen habt es nun geschafft: Ihr seid mit mir bis ins Ziel in Steinau gekommen! Und weil das eine sehr große Lese-Leistung ist sage ich nur zu gern wieder einmal herzlichen Dank fürs Mitfiebern und Schmökern

    Und vielleicht sind ja nächstes Jahr auch noch mehr von uns in Hanau dabei! Ich würde mich sehr darüber freuen!


    LG,

    Finny
     
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  6. Elmar

    Elmar läuft

    oha, ich bin tief beeindruckt. Dagegen ist das Laufen ja ein Kinderspiel.
    Vielen Dank für den Bericht *daumen*
     
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  7. Matthie

    Matthie 3718 m

    Hey Finny, ganz herzlichen Glückwunsch. Toll hinbekommen und viel lockerer als erwartet. Es scheint so dass Du alles richtig gemacht hast: in der Vorbereitung (perfekt - so hätt ich dass auch gemacht ...;)) und an den drei Lauftagen. *juchhu*
    Jetzt muss ich nochmal schaun ob ich irgendwo noch das Finisher T-Shirt finde - ich platze vor Neugier nachdem da ja alle so wild drauf sind. Ich finde schöne Trophäen ja auch immer wichtig (zumindest bis ich sie einmal habe) Es sind halt Symbole.
    Vielen herzlichen Dank für die tollen Berichte und die Fotos, da steckt viel Zeit und Arbeit drin aber ist auch wirklich klasse geworden. *thanks*
     
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  8. Finny

    Finny Well-Known Member

    Hier noch die Nachreichung aus dem netten Artikel:

    Zieleinlauf letzte Etappe, direkt vorm Bogen:

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    Und, was ich ernstlich zuletzt jetzt gar nicht mehr bedacht habe - mein Ergebnis ;-)

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    LG,
    Finny
     
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  9. Matthie

    Matthie 3718 m

    wow....das läßt sich aber sehen *clap**juchhu**clap*
     
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  10. Lumi

    Lumi Watschelt.

    Richtig gut! Herzlichen Glückwunsch nochmal.
     
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  11. Mary.Joggins

    Mary.Joggins Well-Known Member

    Herzlichen Glückwunsch zu Deinem ersten Etappenlauf!

    Das sieht nach viel Laufspass aus und liest sich nach fröhlichem Abenteuer.
    Ich finde es zur Zeit wettertechnisch schwierig, dieses starke rauf und runter der Temperaturen.
     
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  12. Jost

    Jost Well-Known Member

    Herzlichen Glückwunsch
    Was man nicht alles tut für ein Tshirt :)
    Das ist ja ein Bericht, vielen Dank, war echt spannend, dazu mit Fotos, . Danke
    Spitze....:)
    LG jost
     
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  13. Max

    Max Well-Known Member

    Erneut ein interessanter und ausführlicher Bericht von dir, den ich mit Freude gelesen habe. Auch die Bilder sind klasse. Vielen Dank dafür.
    Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Lauf!
    Da ich bisher noch nie an einem Etappen-Lauf teilgenommen habe, würde mich das auf jeden Fall reizen.
     
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  14. Finny

    Finny Well-Known Member

    Vielen lieben Dank Euch allen!

    Wenn ich beim ein oder anderen für diese Art von Veranstaltung Interesse oder Neugier mit meinem Bericht wecken konnte hat sich das Verfassen umso mehr gelohnt ;-) Es ist doch nochmal eine ganz andere Art von Laufspaß!

    LG,
    Finny
     
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  15. Finny

    Finny Well-Known Member

    Für Dich wäre das ganz sicher auch etwas! Vielleicht aber noch eher die Rennsteig-Etappen-dürfte wohl eher Deinem Leistungsniveau entsprechen ;-)

    LG,
    Finny
     
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  16. Elmar

    Elmar läuft

    @Max ich glaube auch das das was für ich ist. Da die Etappen relativ kurz sind wird ein, über die Gesamtdistanz gesehen, höllisches Tempo gelaufen.
    Die vorderen 30% gehen nach dem Zieleinlauf direkt Duschen und weiter zur Massage. Dann gönnen die sich noch ein Nickerchen und bereiten sich wieder auf die nächste Etappe vor.
    Nach der ersten Etappe war ich unter den letzten 25% obwohl wir nicht richtig getrödelt haben. Wir sind halt relativ entspannt und quatschend gelaufen. Ich glaube aber das mehr als die Hälfte der Teilnehmer tatsächlich am Anschlag läuft.

    Der Lauf könnte einen ganz anderen Reiz haben wenn man auf Platzierung läuft. Dann ist taktisch klug laufen angesagt, schnell aber nicht so das Du hinterher keinen Fuß mehr hochbekommst. Es kommen ja schließlich noch ein paar Etappen. Vor allem der Sonntag ist dann spaßig mit der Königsetappe am Vormittag. Die mit 95%, dann Nachmittags gut über den ersten Berg kommen und all-in. Die meisten können es wohl nicht, sonst hätte es mich nicht noch so weit nach vorne gespült.
     
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  17. crystal

    crystal Schöne-Laufstrecken-Sammlerin

    Finny, Glückwunsch zum finish und vielen Dank für deinen tollen Bericht in Worten und auch Bildern. Klingt nach einem Lauf für eine Schöne-Laufstrecken-Sammlerin!
     
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  18. Finny

    Finny Well-Known Member

    Vielleicht sollte ich bei Sabine Fritz frühzeitig mal einen Antrag auf Bonus-km stellen, wenn ich Euch alle als zukünftige Teilnehmer und Wegbegleiter gewinnen kann *clap*

    LG,
    Finny
     
  19. Dennis

    Dennis Dauerläufer

    Aus Erfahrung spare ich mir Deine Berichte immer bis dahin auf, wo ich Zeit habe und diese genießen kann. Du gibst Dir viel Mühe dabei und so hat man ein wenig das Gefühl neben Dir her gelaufen zu sein.

    Danke für den schönen Bericht und die Fotos und natürlich ganz herzliche Glückwünsche zum Finish!
     
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  20. Finny

    Finny Well-Known Member

    Dankeschön Dennis! Das ist ein wirklich nettes Kompliment, worüber ich mich sehr freue :)

    LG,
    FInny