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Den bitter-süßen Nektar ...

Dieses Thema im Forum "Laufberichte" wurde erstellt von Mathias, 13 Juni 2009.

  1. Mathias

    Mathias venti chilometri al giorno ;-)

    ... namens Marathon kostete ich und es ward um mich geschehen

    So viel Pathos für eine profane Sache wie eine Laufwanderung über die Marathondistanz? Tja, vielleicht nicht ganz angemessen aber mir war danach. Das war - fast - der bis jetzt schwerste lauf meines Lebens und er begann schon am Vortag.

    Freitag im Büro mache ich mich mit dem Gedanken vertraut endlich mal die 40 km zu knacken. Das Wetter soll schön werden, die Strecke von Bingen nach Mainz hat schon >30 km zu bieten, soll schön sein und ich kann ja noch einen Abstecher nach Hessen machen und die Schiersteiner Brücke von der Mainzer Seite aus laufen. Schnell habe ich beim Mittagessen die Fahrpläne der Bahn geprüft und das Aussehen der Schilder welche meine Route zieren in Erfahrung gebracht.
    Bei Ergo in Wiesbaden hole ich mir noch 2 Fläschchen von Nalgene welche ich für Trockenobst und Nüße nutzen will sowie einen Oatsnack Vanülle als Belohnung fürs Erreichen der ersten 30 km.

    Abends komme ich müde Zuhause an, packe meine Sachen, gehe früh zu Bett und kann nicht schlafen. Fast die ganze Nacht liege ich wach und als ich um kurz nach 5 wieder einmal auf die Uhr sehe beschliesse ich aufzustehen und dennoch an den Start zu gehen. Den frühen Zug erwische ich nicht, aber um 09:25 Uhr kann es vom Hauptbahnhof in Bingen aus losgehen.


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    Kurz vor Kilometer 6 habe ich einen falschen Abzweig genommen und durch diesen Durchgang kam ich wieder auf den Radweg. Es handelt sich übrigens um die Wohnung eines Obdachlosen der mich netterweise dort hat durchlaufen lassen.

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    Bei Kilometer 8 schliesslich muss ich nach exakt einer Stunde meinen Lauf für eine Gehpause unterbrechen. Das diese Pause satte 22 km lang dauern wird dämmert mir in diesem Moment schon. Der Akku scheint leer und das extrem warme Wetter tut ein übriges dazu mir Kräfte zu rauben.

    Süßkirschen wachsen hier an etlichen Stellen und vor einigen Häusern kann man diese käuflich erwerben. Die Gefahr das ich mir den Magen verrenke ist mir allerdings zu groß.

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    Aus irgendeinem mir nicht klaren Grund musste ich beim Namen dieser Straße an einen mir persönlich bekannten Ultraläufer aus dem Hessischen denken. Ein kurzes Stück laufe ich nun auf dem Damm entlang.

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    Lehrtafeln finden sich hier etliche an den Auen und diese macht auf die Gefahren von Hochwasser aufmerksam.

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    Ein schönes aber leichtes Bilderrätsel am Wegesrand :).

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    Hier komme ich endlich mal an den Rhein ran und es sieht recht nett aus an dieser Stelle. Dieser Ort lädt zwar zum Verweilen ein, nur ich beschränke mich darauf die Schuhe neu zu schnüren und schon geht es weiter.

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    Die Belohnung dafür das ich an der Schiersteiner Brücke die 30 km erreicht habe. Egal wie sehr mir die Fußsohlen schmerzen hier will ich wieder laufen und tatsächlich geht es mir mit dem ersten langsam gelaufenen Schritt sofort besser. Nach 22 km die ich ausschliesslich gewandert bin fühle ich mich so richtig schlecht. Es ist eben schon etwas anderes zu laufen oder wandernd unterwegs zu sein.

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    Ab dem Punkt an dem ich auf der Mainzer Seite der Schiersteiner Brücke wieder ankomme läuft es nur noch zäh. Ich kann gerade noch so gehen. Flott ist das nicht mehr und ich kontrolliere andauernd die gelaufenen Kilometer. 37, 38, 39 ... es dauert ewig bis ich endlich die 40 auf dem Display des GPS sehe. Freuen kann ich mich in diesem Moment nicht wirklich weil meine Füße schmerzen wie selten.
    Die Kombination aus Schuhen und Socken ist die falsche für mein heutiges Vorhaben. Aufgeben kommt für mich dennoch nicht in Frage. Ich muss wissen wie weit ich gehen kann wenn nicht so läuft wie gewohnt. Irgendwann kommt der Punkt an dem ich einen Lauf angehe und nach dem Start feststelle das ich beissen muss wie blöde um das Ziel zu erreichen. Jetzt kann ich dies üben und diese Chance lasse ich mir auf garkeinen Fall entgehen.

    Nach dem Lauf sehe ich tatsächlich etwas arg mitgenommen aus ;).

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    Das waren extrem lehrreiche 43 km in 7:21 Std und ich bereue keinen Meter. Bitter-süß schmeckte der Nektar namens Marathon und meine Portion heute war mir dann doch etwas zu klein. Anfang August möchte ich nochmals einen solchen Selbstversuch starten. Dann allerdings auf einer anderen Strecke. Mein heutiges Laufrevier war öde und bot wenig Abwechslung. Glaubt es oder nicht aber das sind die einzig schönen Bilder die ich machen konnte. Kilometerlang auf der Landseite des Damms zu laufen zermürbt wie nix Gutes :(.
     
  2. laufmauselke

    laufmauselke Mit Sonne im Herzen und Dackel Anton

    Danke Mathias für den eindrucksvollen Bericht. Da gehört schon ewas dazu, so etwas ganz allein durchzuziehen. *massa*
    Nun erhole Dich und sammel Kraft für Deinen Umzug. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 Juni 2009
  3. Lenggi

    Lenggi Well-Known Member

    Herzliche Gratulation Mathias! Ich bewundere deinen Durchhaltewillen.
     
  4. Gast7

    Gast7 New Member

    Glückwunsch Mathias,
    eine beeindruckende Leistung. Du hast das "durchbeißen" gelernt und das wird Dir noch bei manch anderen Lauf in guter Erinnerung sein und Dich immer
    zum weiterlaufen animieren. Wer so 43 km schafft, was soll den noch bremsen? *clap**clap**clap*
     
  5. merderein

    merderein läuft und läuft

    hi mathias,

    herzlichen glückwunsch zum ersten ultra.
    wie bist du denn gelaufen? immer auf dem radweg? schöner ist meiner erfahrung nach einfach immer den weg direkt am rhein zu nehmen - der radweg führt ja, wenn ich mich recht erinnere - teilweise ein gutes stück landeinwärts. ich bin das immer frei schnauze gelaufen - den rhein hat man als orientierung ja immer kostenlos dabei ;-)

    gute erholung noch,
    matthias
     
  6. Mathias

    Mathias venti chilometri al giorno ;-)

    Hallo Matthias,

    das muss ich jetzt doch noch kommentieren :).
    Es war ein Marathon als Laufwanderung und das ist mir schon Ehre genug für den Moment. Ich habe blöderweise den Radweg genommen und mich massiv darüber geärgert dies getan zu haben.

    Übrigens traf ich irgendwo auf der Strecke noch einen mir nur dem Aussehen nach bekannten Läufer. Ein kurzes Stück konnte ich mit ihm mithalten. Er lief sicherlich für sich selbst entspannt mit um die 6 min/km und meinte nur "Du läufst doch immer den TGM-Lauf daher kenne ich Dich!" und da wusste ich dann auch woher mir Gesicht und Laufstil bekannt waren.
     
  7. kolibri

    kolibri always look on the bright side of life Team Administrator

    Glückwunsch Mathias, 43km muss man alleine im Training erst einmal Laufen! *respect* Dann noch auf einem öden Radweg, das sagt eine Menge über deine Qualitäten beim Beißen. *juchhu*
     
  8. HerdeSHE

    HerdeSHE New Member

    Herzlichen Glückwunsch, Mathias! Danke, dass Du uns an Deiner klasse Leistung durch die Bilder teilhaben lässt! LG Bine
     
  9. Gast270

    Gast270 New Member

    Hallo Matthias,

    zwar laufen wir ein bisschen auseinander, was die Zeiten angeht, aber das Erleben ist doch irgendwie gleich. Und darum möchte ich Dir gratulieren zu dem Mini-Ultra, dem ersten!
    und Dir folgendes mitgeben:
    "Jetzt hast Du die Distanz gepackt. Das ist ein schönes Kissen!
    Da lässt es sich mental sehr gut drauf ausruhen, wenn man das nächste Mal so weit laufen will.
    Wenn das Beißen kommt, die Zweifel... kann man denen vom Kissen aus gemütlich sagen:
    Ätsch, ich hab's schon längst gepackt, ich hab die Distanz drin!"

    Es läuft sich leichter mit Kissen.
    Gruß vom Joghie
     
  10. Mathias

    Mathias venti chilometri al giorno ;-)

    Mein Fazit nach 10 Std erholsamem Schlaf, über 2 1/2 Std Spaziergang im Kurpark und bis fast ganz hoch zur Burg Sonnenberg ist immer noch das ich das erneut erleben möchte.

    Mein Ziel war es ja endlich mal länger als 40 km im Training unterwegs zu sein um das Kissen zu spüren von dem Jochen schrieb. Es ist in der Tat wesentlich einfacher für mich wenn ich eine Anforderung schon im Vorfeld abschätzen kann als einfach so ins kalte Wasser zu springen. Nicht das ich so etwas nicht auch tun würde. Die 2 Starts in Rodgau und der erste 6h-Lauf in Kleinkarlbach waren eigentlich nicht mal im Ansatz korrekt vorbereitet.

    Die Fußsohlen habe ich nun etwas beruhigen können und ich gönne denen nachher nochmals etwas pflegendes Gel. Ansonsten fühlen sich die Beine in der Tat mehr als nur prächtig an - kein Muskelkater, keine Schmerzen, nichts. Eigentlich wollte ich später nochmals kurz laufen gehen aber das lasse ich sein und flitze lieber morgen nach dem Aufstehen kurz um den Block, denn dann zählen die Kilometer schon für die neue Woche und gerne würde ich dann wieder 40 km am Ende aufschreiben können.

    Das Höhenprofil des gestrigen Laufs ist ebenso wie die Strecke ansich mehr als nur langweilig. Einzig die An- und Abstiege zur Schiersteiner Brücke waren annähernd knackig. Der Rest ... schweigen wir lieber ;).
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    Ich für meinen Teil empfinde es übrigens als garnicht so schwer einen solchen Lauf alleine anzugehen, denn ich muss nur auf mich und mein Tempo achten und es finden sich immer Menschen auf dem Weg mit denen man kurz ins Gespräch kommen kann. So etwas motiviert ungemein.

    Einzig die letzten 10-11 km waren wirklich hart. Das Industriegebiet in Mombach und der Anfang der Rheinallee das ist für Läufer mentales Härtetraining pur. Dort unterwegs zu sein schlaucht extrem und beissen muss man da nachdem man 6 Std unterwegs war wie blöde. Schlimmer stellte ich es mir vor Wiesbaden wieder zu verlassen um die Schiersteiner Brücke zurück in Richtung Mainz zu laufen aber das war vom Kopf her absolut kein Problem. Ich wollte ja endlich mal ehrlich und mit Überzeugung sagen können:

    "Marathon ist machbar, Herr Nachbar!"
     
  11. Frank

    Frank Angekommen

    Glückwunsch, Mathias.
    Die Strecke hast Du ja jetzt drauf. Jetzt heißt es nur noch ein bißchen an der Zeit zu drehen und schon kann Dein offizielles Marathondebut in Angriff genommen werden. Bei Deinem Trainingsfleiß habe ich da überhaupt keine Bedenken.

    Machbare Grüße, Herr Nachbar
    Frank
     
  12. Bernie

    Bernie Ehemalig 400++

    Hallo Mathias,

    Glückwunsch zu deiner tollen Leistung, nun weißt ja wie es sich anfühlt die M Strecke zu bewältigen. Ich selber schaffe es so gut wie nie in Training so lange Stecken zurückzulegen.
    Ich wünsche dir weiterhin soviel Durchhaltewillen. Sicher wirst du bald auch bei einem Wettkampf die Strecke bewältigen, weiter so……..
     
  13. Mathias

    Mathias venti chilometri al giorno ;-)

    Heute früh werde ich doch noch nicht wieder laufen, denn die Fußsohlen schmerzen erneut. Muss mal sehen ob es evtl. heute Abend besser geht ich werde versuchen im Büro barfuß zu laufen und die Füße ein wenig trainieren. Der Muskulatur und dem Rest der Beine geht es immer noch gut und von dort sind keine Probleme zu erwarten.

    Eine besonders krasse Begegnung hatte ich übrigens auf dem Weg von Wiesbaden aus über die Schiersteiner Brücke nach Mainz zurück. Auf dem nicht wirklich breiten Fußgängerweg kam mir ein Vollidiot auf einem Motorroller entgegen. Der Kasper hat da zwar absolut nichts verloren fuhr aber trotzdem ohne das Tempo zu drosseln volle Kanne weiter. So schnell habe ich selten zuvor die linke Hand hochgerissen um einen veritabeln Effenberg abzugeben.
     
  14. beppomat

    beppomat ruhig Brauner, ruhig....

    das kann ich voll und ganz nachvollziehen, such Dir eine schöne abwechselungsreiche Strecke aus, dann läuft alles gleich viel besser.

    Aber ansonsten, weiter so, super Fortschritte, denn alleine schon gehend über 7 Stunden hintereinander auf den Füßen ist super Training. Das wird sehr viel unterschätzt. Du hast es ja selber an deinen Füßen gemerkt....

    Gutes Gelingen weiterhin
     
  15. katzie

    katzie Neun Leben, Baby! (Diego in ICE AGE)

    Gratuliere zum Durchbeißen der mehr-als-Marathon-Distanz im Training! Das hab ich noch nie geschafft... *gratulation*

    Und die Bilder sind total schön, man möchte gar nicht glauben, dass Du wirklich öde Abschnitte auch durchqueren musstest! :)
     
  16. Mathias

    Mathias venti chilometri al giorno ;-)

    Danke! Ja, es ist wirklich wichtig solch längere Läufe oder Laufwanderungen im Training zu haben. Jedenfalls ist das für mich der Fall und ich werde in ein paar Wochen nochmals ein solches Training absolvieren *dafuer*.

    Da waren unglaublich öde Abschnitte drunter so grauenhaft langweilig oder hässlich und mit Autoverkehr ohne Ende wie in den Schrebergärten vor Mombach. Da war auch der Asphalt in wirklich extrem schlechtem Zustand. Oder aber der eklige Weg durchs Industriegebiet.

    Aber irgendwie scheint es mir als ob ich solch langweilige Sachen machen kann wie sonst wenige Menschen. Mir fällt jedenfalls niemand ein der mich freiwillig bei diesem Marsch begleitet hätte *pfeif*.

    Die nächste Strecke wird schöner. Ich werde von Frankfurt aus am Main entlang nach Mainz laufen. Das wird schön :).
     
  17. merderein

    merderein läuft und läuft

    wolltest/bist du nicht über die schiersteiner brücke auf die wiesbadener seite? dann hast du das hässliche stück doch eigentlich ausgespart? oder bringe ich das jetzt durcheinander?
    ach, da gibt es auch einiges langweiliges ;-). vielleicht bin ich aber auch nur falsch gelaufen ... das erste stück in frankfurt ist nicht so wirklich prickelnd. und der industriepark höchst z.b. oder durch rüsselsheim - das fand ich recht öde. auf die dauer kann auch der main ziemlich langweilig sein ;-). aber lass dich davon nicht stören. immerhin stehen da keine berge im weg ...
     
  18. Mathias

    Mathias venti chilometri al giorno ;-)

    Erst durch die Schrebergärten, dann unter der Brücke links ab, rauf auf die Brücke, rüber nach Wiesbaden, Ehrenrunde durch den Supermarkt (Wasser auffüllen), zurück über die Brücke auf die Mainzer Seite und dann durchs Industriegebiet :).
     
  19. Elke

    Elke Täglich. Laufen. Glück.

    Mathias, ich bin - und mit Bestimmtheit nicht allein - der Meinung:

    Das war Spitze!

    Ich meine da schon zu spüren, dass Dein nächstes Abenteuer, Dich rufend schon ganz bald auf Dich wartet und Du antwortend Deine Schuhe schnüren wirst.
     
  20. Fr&ThVater

    Fr&ThVater Guest

    Respekt ...

    für unsere "Einzelkämpfer", nämlich für den Jochen im Harz und den Mathias am Rhein!

    Herzlichen Glückwunsch, lb. Mathias, für Dein Durchbrechen der Schallmauer "Marathondistanz"! Nun kannst Du demnächst völlig gelassen die Teichwiesen aufsuchen. Dies freut mich echt für Dich.

    Beste Grüße
    Volker